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Die Gemeinde informiert

Ausstellung Dada & Thitz

Bürgermeister Sven Müller begrüßte am 2.8.2019 zur Vernissage die äußerst zahlreich erschienenen Gäste und hieß die beiden Künstler „Dada & Thitz“ ganz herzlich willkommen. Mit folgenden Worten eröffnete Bürgermeister Müller anschließend die sehr besondere Ausstellung:
 
Liebe DADA, lieber Thitz,     

 

liebe Serafina, liebe Rubina,
verehrte Frau Schuster,
verehrter Herr Milz,
liebe Verantwortliche und Mitglieder des Kulturrings Winterbach,
verehrte Gäste,

zur heutigen Ausstellungseröffnung „Dada & Thitz“ im Rahmen der Remstal Gartenschau darf ich Sie alle ganz herzlich hier im Alten Rathaus in Winterbach willkommen heißen.
Besonders willkommen heißen darf ich heute Abend natürlich die beiden Künstler Dada und Thitz.

Es freut uns alle sehr, dass ihr beide gemeinsam und zusammen mit euren Kunstwerken die Remstal Gartenschau in Eurem Wohnort Winterbach begleitet und bereichert.
Nach der Mothes-Ausstellung im Alten Rathaus und den wechselnden Ausstellungen Winterbacher Künstler im Rathaus ist diese Ausstellung für Winterbach ein weiteres ganz besonderes Highlight im kulturellen Veranstaltungskalender im Remstal-Gartenschau-Jahr.

Unsere Bürgerinnen und Bürger, Gartenschau-Besucher sowie alle Kunstinteressierten aus nah und fern können von heute an bis einschließlich Sonntag, den 20.10.2019 diese einzigartige Ausstellung von Dada und Thitz besichtigen und sind zu einem Besuch sehr herzlich eingeladen.


Mein erster Dank heute Abend geht an die beiden Künstler.

Herzlichen Dank, dass ihr Eure Kunstwerke hier für uns ausstellt und wir unter anderem diese Vielfalt an Zeichnungen, Modellen, Stoffobjekten und Spielfiguren bis hin zu ganz besonderen Acryl-Gemälden aus Tüten auf Leinwänden auf uns wirken lassen dürfen.
Normalerweise sind Museen, Galerien oder auch der öffentliche Raum in Ländern wie zum Beispiel USA, Brasilien, Paris und Korea Orte, in denen man Eure Kunst antreffen kann.
Deshalb ist die Freude umso größer, dass Ihr trotz unseres beschränkten Angebots an Fläche und Größe hier im Alten Rathaus in Winterbach Eure Heimat unterstützt und eine Ausstellung durchführt.
 
Bevor wir im Anschluss an meine Begrüßung tiefe und beeindruckende Einblicke in die hier ausgestellten Kunstwerke von Herrn Milz erhalten, möchte ich gerne selbst noch ein paar Worte zu den Künstlern verlieren.
 
Getreu dem Motto „Ladies first“ beginne ich mit Dir, liebe Dada.
Man kann sagen, dass wir bereits alle gut erkennen können, dass Deine Kunstwerke allesamt mit sehr viel Inspiration, Spiritualität und Individualität gestaltet und erschaffen wurden und jedes Einzelne doch seine eigene kleine Geschichte erzählt.
Die Kunstwerke werden allesamt in Handarbeit und als Einzelstück gefertigt und Du arrangierst Deine Requisiten zu bühnenartigen Installationen.
Hierbei führst Du sogar Deine selbstgeschneiderten, fantasievollen Kostüme von verschiedensten Kunstaktionen vor und präsentierst sie der Weltbühne.
 
Bei Dir lieber Thitz, dürfen wir in eine ganz außergewöhnliche, sehr beeindruckende und einzigartige Kunst aus „Tütenbildern“ eintauchen.
Ich muss zugeben, dass ich ein großer Fan von Deinen Kunstwerken bin und selbst von Deinen Gemälden so begeistert bin, dass ein solches von unseren Rathäusern dem Marktbrunnen und der Michaelskirche mittlerweile auch mein Büro schmückt.
Und jeden Tag auf´s Neue freue ich mich, wenn ich von meinem Bürostuhl aus auf dieses farbenfrohe, einzigartige und wortwörtlich „gutgelaunte“ Kunstwerk blicken darf.
Ich kann Ihnen versprechen, dass Sie mindestens genauso begeistert sein werden wie ich, wenn Sie im Anschluss die Gemälde von Thitz ganz genau beobachten und in diese eintauchen werden.
Seien Sie gewiss, dass hinter allen Bildern eine zweite Ebene lauert, diese aber nur erkennbar wird, wenn man genau und aufmerksam beobachtet und sich dann der Vorhang lüftet.
Ich lade Sie daher sehr herzlich dazu ein, später jeden einzelnen Vorhang der Kunstwerke zu lüften, um ebenfalls von der „zweiten Ebene“ der Tütenbilder fasziniert und überwältigt zu sein.
Von dem eben erwähnten Bild der Winterbacher Ortsmitte hat Thitz für diese Ausstellung extra eine signierte Kunstdruck Edition erstellt, die für seine Verhältnisse zu einem Schnäppchenpreis zu haben sind.
Die Hälfte des Erlöses spendet er zu Gunsten der Giovanne Elber Stiftung.

Damit Sie sich ein Bild machen können, hängt ein Exemplar gleich neben unsrer Gartenschau Info Theke.
Falls jemand von Ihnen noch eine Erklärung sucht für die gelben und roten Schuhe von Thitz habe ich als Gemeindeoberhaupt auch noch eine ganz besondere Erklärung.
Für mich ist ganz klar, Du hast unser Winterbacher Wappen angeschaut und Dich gefragt, wie kannst Du Deine Heimat immer bei Dir tragen.
Rot ist die dominierende Farbe im Winterbacher Wappen und Gelb kann man auch als Gold sehen und dies symbolisiert die Krone in unserem Wappen.
Ganz herzlich bedanken möchte ich mich auch bei all Denjenigen, die mit ihrer Arbeit im Vorfeld und auch heute Abend zu dieser beeindruckenden Ausstellung beigetragen haben (Kulturring + Künstler).
Ein besonderes Dankeschön geht selbstverständlich auch an Herrn Thomas Milz für die gleich folgende Einführung sowie an Serafina und Rubina Trost und Sophie Schuster für die musikalische Begleitung.
Euch liebe DADA, lieber Thitz wünsche ich weiterhin ein kreatives und inspirierendes Händchen sowie viel Freude beim Entwerfen und Gestalten eurer Kunstwerke, so dass wir noch lange in den Genuss kommen dürfen, diese zu bestaunen und die eine oder andere kleine Geschichte zu erfahren.
Winterbach ist sehr stolz darauf solch renommierten Künstlern wir Ihr es seid eine Heimat geben zu dürfen.

Nun wünsche ich dieser Ausstellung abschließend noch viele interessierte Besucher, die sich, genauso wie wir, begeistert Ihren Kunstwerken widmen und mit vielen Gedanken, Erinnerungen, Eindrücken und Interpretationen zufrieden nach Hause gehen werden.
Abschließend möchte ich es nicht versäumen darauf hinzuweisen, dass es am Sonntag, den 20.10.2019 um 11.00 Uhr zum Ende der Ausstellung hier im Alten Rathaus eine Finissage mit einer Laudatio der Kunsthistorikerin Frau Ricarda Geib, einer Performance von DADA sowie toller musikalischer Begleitung des „Duo Alma viva“ geben wird, zu der ich Sie bereits heute ebenfalls sehr herzlich einladen möchte.

Uns allen wünsche ich noch einen schönen Abend mit vielen interessanten Begegnungen und anregenden Gesprächen und übergebe das Wort nun Ihnen, lieber Herr Milz.
Im Anschluss an die Rede von Bürgermeister Müller sprach Thomas Milt und gab den Anwesenden interessante und tiefe Einblicke in die ausgestellten Kunstwerke.
 
Rede von Thomas Milz:
 
Liebe DADA, lieber Thitz, sehr geehrter Herr Müller, meine Damen und Herren,

 
Von der Neu-Verzauberung der Welt
 
Es ist schön, dass es die Remstal-Gartenschau gibt. Noch besser, dass DADA und Thitz auf Einladung des rührigen Kulturrings Winterbach heute eine Ausstellung im Rahmen der Gartenschau eröffnen können.
Denn, machen wir uns nichts vor, es könnte sein, dass wir noch in diesem Jahrhundert unsere Lebensgrundlage verspielt haben werden. Wir sind gerade dabei. Landschaften und Gärten wie heute, aber auch Städte und Kommunen wie Winterbach, mit ihrem eingebettet sein in eine so anmutige Naturumgebung, wird es so nicht mehr geben. Wir müssen damit rechnen, dass die Selbstzerstörungskräfte der Gattung Mensch größer sind als die zu seiner Erhaltung.
Und diese Ausstellung bietet uns Gelegenheit, darüber nachzudenken - - - es anders zu machen.
 
Lassen Sie uns zunächst 200 Jahre zurückgehen. Um 1800 war das Projekt der Früh-Romantiker eine Wieder-Verzauberung der Welt. Als Reaktion auf eine als kalt empfundene Aufklärung und an Geschwindigkeit schon damals rasant zugenommene Rationalisierungsschübe in Bürokratie, Technik, Politik und Gesellschaft suchte man zunehmend rückwärtsgewandt Zuflucht in Heimat, Tradition, Nation  und Geschichte. Eine ambivalente Angelegenheit, deren zerstörerische Seite nicht nur in die Zerstörungen des NS reichten -                                          sondern bis heute nicht ausgestanden sind, ja wieder bedrohlich virulent werden.
Die Künste reagieren darauf. Auch DADA und Thitz, denen es, so meine Vermutung, nicht um eine {reaktionäre) Wieder-Verzauberung geht, als ob es früher nicht viel faulen Zauber und Aberglauben gegeben hätte, den wir hoffentlich überwunden haben, sondern deren Anliegen eine Neu-Verzauberung der Welt ist. Hin auf eine gelingende Zukunft. Weil wir ohne den Blick auf den feinen sinnlichen Schimmer als eigentlicher Zauber der Schöpfung nicht wirklich zu leben vermögen. Es gibt einen Glanz, der nicht blendet, dondern er-leuchtet. DADA und Thitz suchen mit ihrer Kunst gemeinsam mit uns dahin zu kommen.   

Aber wie machen sie das?
 
„Aus den Dingen schwindet die Wärme. Die Gegenstände des täglichen Gebrauchs stoßen den Menschen sacht aber beharrlich von sich ab. In summa hat er tagtäglich mit der Überwindung der geheimen Widerstände -     und nicht etwa nur der offenen -, die sich ihm entgegensetzen, eine ungeheure Arbeit zu leisten. Ihre Kälte muss er mit der eigenen Wärme ausgleichen, um nicht an ihnen zu erstarren, und ihre Stacheln mit unendlicher Geschicklichkeit anfassen, um  nicht an ihnen zu verbluten." So der große Kritiker
 
Walter Benjamin im Jahre 1928. Mit ihrer ganz eigenen Wärme nimmt sich DAD der (vielleicht nur vermeintlichen) Kälte der Dinge an.
Betrachten Sie ihre wunderbare Vitrinen­ Installation „Das Geplauder aus dem Nähkästchen". Aus einem weit geöffneten alten Nähkasten, einer, wenn man so will, geheimnisvollen, tiefen Frauen-Schatz-Tüte, scheinen Fäden, Knöpfe, Scheren und Nadeln herausgepurzelt zu sein, um sich ganz eigenwilligen Metamorphosen zu unterziehen. Da gibt es auf einmal Reißverschluss-Zwillinge und schnippische Scheren. Die praktischen Gegenstände  haben anmutig anthropomorphe Körper angenommen. Die Künstlerin hat aus den MateriaIien putzig-märc hen hafte Ding-Figürchen geschaffen, die da nun ihre ganz eigene Theatervorstellung, Performance aufführen.
Ja doch, auch den Dingen wohnt ein Zauber inne. Berührt von sorgsam-geschickten Händen und einem aufmerksam-fantasievollen Blick.
Die gelernte Schneiderin und Kostümdesignerin DADA ist zuerst selbst Performance-Künstlerin.
Das eigentliche Arbeitsfeld der Schülerin von Ulay, des einstigen Partners von Marina Abramovic, ist die Geste und der Körper in Raum und Zeit.
So hat sie jüngst auf der Biennale in Venedig 11 5 angeli", also fünf ihrer Stoff-Engel  auf Korkscheiben ins Wasser gelassen. Schwimmende Boot-Schaften mit den Aufschriften Liebe, Hoffnung, Glaube, Wahrheit und Glück.
Die Umrisse dieser Engel sind nach der Spiralform der weiblichen Gebärmutter mit den Eiretsöcken - selbst an eine Flügelform erinnernd - gestaltet.
Gegen die Zerstörungsaktionen (und -Fantasien) soll hier ein weibliches (auch feministisches?) Emblem unserer gern verdrängten Gebürtigkeit gesetzt werden. Als Hoffnungszeichen der Schöpfung, der Gnade und des Wunders.
 
Staunen tat ich indes, als ich im Faltblatt zur Ausstellung bei der Aufzählung der Arbeiten DADAs auf 11sp ir it uel le Accessoires" stieß. Wie komm’ ich da heil raus?
Jedenfalls gibt es hier eine Weltfriedenkette, an der Symbole so ziemlich der meisten großen Religionen gehängt sind. Von Christus über Buddha bis zum Judenstern. Das kann nun bedeuten: Hey, vertragt euch, ihr seid alle gleich viel wert. Oder aber: kann nichts schaden, wenn man an alles irgendwie ein bisschen glaubt.
Daneben liegen Kettchen mit Glücksschweinchen oder Mini-Gartenzwergen. Amulette und Talismane. Des Aberglaubens oder eines fröhlichen Polytheismus?
Wer darf sich schon lustig machen über den Glauben des anderen? Ich würde das vorerst offen lassen.
Was beide Künstler, DADA und Thitz, verbindet, scheint mir ihre so verletzliche wie ungeschützt heitere Weltoffenheit zu sein. Ich würde so weit gehen hier von einer durchtrieben kindlichen Naivität - oder auch Spiel-Lust zu sprechen.
 
Hier die Schamanin, die aus dem Stofflichen die spirituellen Funken schlägt. Dort der Maler, der die Steinwüsten unserer Mega-Citys mit einem menschlichen Antlitz zu versehen versucht.
 
Für Thitz ist Babylon kein Sündenpfuhl wie in Otto Dix’s expressionistischen Darstellungen des Berlins der 20er-Jahre, sondern die in Stein gebaute Verkörperung einer grell-bunten Lebenslust. Wir alle sind inzwischen im globalen Exil -  und fast alle scheinen dort auch hinzuwollen und es zu genießen.
(Und, eine kleine Klammer, ich kann nicht anders: Mir kommt das Wort Heimat in den vielen Gartenschaus-Reden zu oft, zu unreflektiert vor.
Die Kirche lernt gerade, sich in der Diaspora einzurichten. Wir sollten es auch tun. Heimat konnte seine Versprechen noch nie halten. Viel zu wenig aber wird von Solidarität gesprochen.)
 
Thitz ist der Maler, der die Lust an der
„barbarischen" Fremd- und Vielheit nicht denunziert, sondern den modernen Turmbauten zu Babel eine beschwörend halluzinogene Gestalt gibt, die uns unsere Angst nehmen soll. Etwas Droge aber scheint mir schon dabei.
 
Die Oberflächen der Stadtarchitekturen mit ihren Lichtern und Reklamen blenden. Die Tüte als Malfläche lädt aber dazu ein, zu fragen, was denn
„drinnen" ist. ,,They give you this, but you pay for that" sang Neil Young einst in „Out of the Blue" auf die Differenz zwischen Inhalt und Verpackung aufmerksam machend.
So sind in den übereinander geschachtelten Fensterreihen der Hochhäuser auf Thitz’ Bildern immer herausschauende Gesichter zu sehen. Sind die echt? Oder nur Bildschirme, die ans Fenster gestellt wurden, um Leben hinter den Fassaden zu suggerieren? Oder sind das am Ende nur Abertausende von Thitz mit Gesichtern bemalte Tüten, die nun zum Schutz vor Einsicht an die Fenster gestellt wurden?
Thitz’ Städtebilder sind keine Abbilder, sondern Visionen und Artefakte. Auf vielen ist der Artist selbst zu sehen, als Springteufelchen mit einem Zeichenstift, der sich als Kreator eingezeichnet hat und nicht die Realität sondern die Künstlichkeit des Dargestellten beglaubigt.

Und, meine Damen und Herren, es ist diese Selbstreflexivität, in der die Kunst ihr Gemacht­ Sein ausstellt und nicht verleugnet, die sie zur zählenden macht und vor der verkitschenden Verklärung der Verhältnisse rettet.

Aber noch einmal zu den Fenster-gesichtern selbst. Alle haben einen offenen Ausdruck, aber nicht ein einzig lächelnder Mund ist zum Sprechen geöffnet. Masken. Stumme Sm il eys. Bei aller scheinbaren Lebendigkeit auf diesen Gemälden - wir haben es hier durchaus auch mit un­ heimlichen Traum-Bildern zu tun. Der Ton scheint wie abgeschaltet. ,,Verwisch deine Spuren", rät Bertolt Brecht in seinen Gedichten für Städtebewohner vor hundert Jahren. Das gilt heute, im Zeitalter der die innerste Intimität ausleuchtenden Röntgenstrahlen namens Algorhythmen,        noch gefährlich weit mehr.
In neueren Arbeiten schreibt Thitz Wörter wie
„Save the  Nature", ,,Flowers", ,,Love", ,,Art" oder
„ Wisdom" auf die Haut der seiner Häuserschluchten. Botschaften des Friedens und des Umweltbewusstseins. Der Mann hat das Herz auf dem rechten Fleck, möchte man sich da vorschnell    freuen.
Nur: Kunst funktioniert anders.
Auch Thitz weiß, dass diese politisch korrekten Denkschilder mit den kommerziellen Reklame­ Tafeln oft auf denselben seiner Bilder konkurrieren. Was heißt das? Eben: Nichts! Mit den richtigen Slogans als Reklame wird sich gerade nichts ändern. (Auch Söder ist jetzt ein Grüner!) Oder doch? Die Wörter tauchen auf den Bildern wie Menetekel auf. Aber immerhin, wer hätte das gedacht, sie haben es an die Wand der besten Werbeflächen geschafft. Wenn Thitz diese Wörter einmontiert, dann ist das nicht Propaganda, sondern zeigt die Gefährdung wichtiger Inhalte im Diskurs auf den öffentlichen Marktplätzen, wo sie zu Beruhigungsformeln verkommen können.
Ich hoffe, dass er das zeigt.
Irritierend aber auch ein neueres Bild des Malers:
„Utopische Zivilisation auf einer Wiese". Dort sind aus den steinernen Wolkenkratzern nun in den Himmel ragende, organisch grüne Stängel zu Behausungen geworden, die aus dem Wasser ragen. Sind darunter inzwischen die bisherigen Großstädte nach der Katastrophe eines exponentiell beschleunigten Klimawandels verschwunden? Der Neue Mensch haust dort auf hohen Halmen. Werden wir bald wie Frösche leben?
DADA und Thitz waren an dem Tag, der eine frühe, zerstörerisch einschneidende Zäsur zu Beginn unseres Jahrhunderts bedeutete, am 11. September 2001 in New York. DADA sollte am Abend eine Performance mit dem Titel „Come to your sense" vorführen. Komm zu deinem Gefühlsvermögen, komm zu Vernunft, so das Projekt. Trotz und wegen des Schocks - die Performance fand statt.
Nun stellen wir uns Folgendes vor. DADA hätte ihr Projekt nur einen Tag früher, am Abend vor dem Anschlag verwirklicht. Und es hätte die Kraft besessen, dass jemand weit entfernt zu Sinnen gekommen wäre, und deshalb die Flugattacken nicht stattgefunden hätten.

Dass Kunst eine solche Kraft hätte, dürfen wir niemals glauben -  aber immer wünschen.
 
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit
 
 
 
 
Thomas Milz