Gemeinde Winterbach

Seitenbereiche

Volltextsuche

Navigation

Öffnungszeiten Bürgerbüro

Montag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Dienstag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr
Mittwoch: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr und 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr
Donnerstag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr
Freitag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr

Aktuell nur mit Terminvereinbarung!

Öffnungszeiten Rathaus

Montag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr
Dienstag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr
Mittwoch: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr und 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr
Donnerstag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr
Freitag: 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr

Aktuell nur mit Terminvereinbarung!

Die Gemeinde informiert

Die Gemeinde Winterbach trauert um ihren Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger Erich Hinderer

Trauerrede von Bürgermeister Sven Müller bei der Trauerfeier für unseren Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger Erich Hinderer am Mittwoch, den 15. Juli 2020
 
Liebe Familie Nonnenmacher,
liebe Familie Hinderer-Weber,
verehrte Trauergemeinde,
 
„Es nimmt der Augenblick, was Jahre geben“, dieses Goethe-Zitat kam mir in den Sinn, als ich vor einer Woche vom plötzlichen Tod unseres Alt-Bürgermeisters und Ehrenbürger Erich Hinderer erfahren habe.
Ich wollte diese traurige Nachricht zunächst gar nicht glauben, auch wenn man natürlich weiß, dass das Leben, insbesondere im hohen Lebensalter, endlich ist.
 
Ihnen allen ging es bestimmt genauso wie mir, als nach der Nachricht von seinem Tod einem sofort ein paar prägende Begegnungen mit ihm in Erinnerung gekommen sind.
So war es unter anderem meine erste Begegnung mit Erich, als ich während des Bürgermeisterswahlkampfes auf dem Markplatz meinen Wahlstand aufgebaut hatte und er vorbeikam, um mich auf Herz und Nieren zu prüfen.
 
Ich war damals schon sehr beindruckt, wie feinsinnig, Mensch und Leben zugewandt sowie politisch interessiert er mit 91 Jahren noch war.
Auch seine Unabhängigkeit sowie dass er noch selbst mit seiner A-Klasse auf kleinen Strecken im Ort und im näheren Umkreis unterwegs war, hat mich sehr beeindruckt.
Auch eine meiner letzten Begegnungen mit ihm, war eine sehr Bewegende.
Der Gemeinderat hat ihm anlässlich seines 95. Geburtstages eine Straße im neuen Baugebiet „Eichenwäldle“ gewidmet und ihm das Straßenschild mit der Aufschrift „Erich-Hinderer-Weg“ als Geschenk im kleinen Kreis überreicht, welches er sehr berührt und mit großem Stolz und großer Dankbarkeit entgegen nahm und wir es dann auch gleich bei ihm um die Ecke an den entsprechenden Pfosten angebracht haben.
 
Sein Tod am 7. Juli hat uns alle betroffen und traurig gemacht.
Wir können Erich Hinderer nun nicht mehr um Rat fragen, wir können nicht mehr das Gespräch mit ihm suchen und wir müssen auf seine Gesellschaft nun auch endgültig verzichten.
In dieser Zeit der Betroffenheit und der Trauer finden wir aber auch Trost in dem Bewusstsein, dass Erich Hinderer ein mehr als erfülltes und gesegnetes Leben hatte und letzte Woche friedlich einschlafen durfte.
 
Wir trauern mit Ihnen, liebe Familien Nonnenmacher und Hinderer-Weber um einen lieben Menschen, der uns allen nahegestanden ist.
Wir trauern um einen Mitbürger, der durch sein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und sein soziales Engagement zu einem Vorbild für die heutige Generation geworden ist.
 
Wir sprechen daher Ihnen, liebe Familien Nonnenmacher und Hinderer-Weber unsere tief empfundene Anteilnahme zum Tod Ihres Vaters, Schwiegervaters, Opas und Uropas aus.
Wir wünschen Ihnen viel Kraft, diesen großen Verlust zu verarbeiten.
Gegenseitige Stütze möge Ihnen Halt und Trost geben.
 
In der Trauer kann es uns ebenfalls helfen, uns den zweiten Teil der Erkenntnis von Goethe bewusst zu machen.
„Es nimmt der Augenblick, was Jahre geben.“
Die Jahre mit Erich Hinderer haben uns allen sehr viel gegeben.
Allen und allem voran seiner Familie, mit welcher wir uns gemeinsam heute hier in tiefer Trauer versammeln.
Gegeben hat er auch jedem Einzelnen von uns, die ein Stück des Weges mit ihm gegangen sind.
In mannigfaltiger Art und Weise, zweifellos aber auch unserer Gemeinde und unserem Gemeinwesen.
 
So wählten ihn die Winterbacher 1957 zu ihrem neuen Bürgermeister, wo er bis zum Ruhestand im Jahr 1981 und noch weitere Jahre darüber hinaus als Heimatforscher seine Lebensaufgabe fand.
 
Erich Hinderer hatte bedeutenden Anteil daran, dass nach dem Krieg die Wende Winterbachs von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hin zu einer Industrie- und gewerbestarken Wohngemeinde eingeleitet wurde.
Ihm ist es ebenfalls zu verdanken, dass Winterbach im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform in den 70er Jahren selbständig geblieben ist und wir noch heute sehr stark von dieser historischen und richtungweisenden Entscheidung profitieren.
Zusammen mit der Bürgerschaft und dem Gemeinderat war Erich Hinderer sozusagen erster Architekt von Winterbach und hat in seiner Amtszeit somit in vielerlei Hinsicht grundlegende Strukturen geschaffen, die das Gesicht Winterbachs noch heute prägen.
Hierzu zählen insbesondere

  • der Hochwasserschutz mit dem größten Projekt des Baus des Lehenbachstausees
  • der Erhalt unseres historischen Ortsbilds mit der ersten Sanierung der Ortsmitte und dem Erhalt der prägenden und wunderschönen Fachwerkhäuser als Ensemble,
  • der Bau der Salierhalle, des Feuerwehrgerätehauses, des Bauhofs, der Kläranlage und des ersten Rektoratsgebäudes als Schulerweiterung
  • die Entwicklung vieler neuer Wohn- und Gewerbegebiete, mit dem positiven Effekt, dass die Einwohnerschaft von 1957 bis 1981 von 4.045 auf 6.610 anwuchs und
  • der Kauf des Bauernhauses von Familie Dobelmann im Herdfeld, im welchem sich bis heute unser wunderschönes Dorf- und Heimatmuseum befindet

Nicht nur was die Infrastruktur und die kommunalen Gebäude betrifft, hat Erich Hinderer Spuren hinterlassen, sondern auch im Bereich des Gemeinwesens hat er in seiner Zeit als Bürgermeister in vielerlei Hinsicht Grundsteine für unser herausragendes bürgerschaftliches Engagement sowie unser gesellschaftliches Leben gelegt.
Besonders wichtig war ihm dabei, dass das Verhältnis zwischen den Vereinen und der Gemeinde ein gutes und funktionierendes war.
Er hat die Vereine und das Gemeinwesen immer nach besten Kräften gefördert, unter anderem war er Gründungsmitglied und Schirmherr der Nachbarschaftshilfe.
In seiner Zeit als Bürgermeister wurde auch die Städtepartnerschaft mit Gleisdorf gegründet und es fanden zum ersten Mal die Heimattage und das Brunnenfest statt.
Seine besondere Leidenschaft gehörte der Heimatforschung und der Heimatpflege.
So wurde unter anderem das erste Winterbacher Heimatbuch unter seiner Regie herausgegeben.
Als Autor hat Erich Hinderer zudem unzählige Aufsätze über die Winterbacher Ortsgeschichte verfasst und er hat auch selbst ortsgeschichtliche Führungen durchgeführt.
Als letzter Satz in seinem Wahlkampfprospekt von 1957 stand geschrieben „Ich würde es als meine Lebensaufgabe betrachten, Ihnen ein guter und hilfsbereiter Bürgermeister zu sein“.
Diesem Versprechen ist Erich Hinderer in seinem Leben mehr als gerecht geworden.
 
Für seine herausragenden Verdienste um die Gemeinde wurde ihm
1988 das Ehrenbürgerrecht verliehen und wie bereits erwähnt, konnte ihm mit dem Erich-Hinderer-Weg im Baugebiet „Eichenwäldle“ zum 95. Geburtstag ein besonderes Geschenk überreicht werden.
 
Erich Hinderer hat sich aber nicht nur während seiner Amtszeit als Bürgermeister für Winterbach eingesetzt, sondern war auch im Ruhestand aktives Mitglied und Ratgeber seiner Gemeinde.
Für uns alle war seine „menschliche Seite“ zudem sehr wohltuend.
Seine Herzlichkeit, seine Zuverlässigkeit, seine Bescheidenheit, seine Verbindlichkeit und sein mitfühlendes, soziales Wesen strahlten auf unser ganzes Gemeinwesen aus.
 
Seine Persönlichkeit hat nicht nur bei uns in der Gemeinde als Gesamtes betrachtet Spuren und Eindrücke hinterlassen, sondern auch bei seinen Bürgermeister-Nachfolgern und den ehemaligen und derzeitigen Gemeinderäten, seinen Alt- Bürgermeister Kollegen, seinen ehemaligen Mitarbeitern, beim Ehrenamt, bei der Unternehmerschaft sowie bei seinen Freunden und Nachbarn.
Für all die eben genannten möchte ich im Folgenden sprechen und sie heute bei der Trauerfeier auch zu Wort kommen lassen:
 
Für Hans Heinz, Albrecht Ulrich und mich als seine Bürgermeister-Nachfolger sowie für die aktiven und ehemaligen Gemeinderäte war Erich Hinderer neben seiner äußerst verbindlichen, freundlichen und wertschätzenden Art immer ein sehr wichtiger Ratgeber.
So konnte er aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz und Wissen heraus, stets die aktuellen Entwicklungen im Ort gut einordnen.
In seiner aktiven Zeit als Bürgermeister war ihm ein gutes Miteinander zwischen dem Rathaus, den Gemeinderäten und auch ihm sehr wichtig. Unparteiisch und der Sache verpflichtet hat er sein Amt wahrgenommen. Gute Vorschläge aus den Reihen des Gemeinderats hat er stets angenommen.
 
Auch seine Alt-Bürgermeister Kollegen im Rems-Murr-Kreis trauern um Erich Hinderer.
Für sie war er mit beinahe 96 Jahren das älteste Mitglied des Sprengels der Bürgermeister im Ruhestand. Bereits in seiner aktiven Zeit erfreute sich Erich Hinderer großer Wertschätzung unter den Kollegen.
So war es für ihn selbstverständlich, sich unmittelbar nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Sprengel der Alt-Kollegen einzubringen. Wann immer es seine Gesundheit zuließ, kam er zu den geselligen Zusammenkünften und Jahresausflügen.
20 Jahre lang verwaltete Erich Hinderer die Kasse des Sprengels mit der ihm eigenen Zuverlässigkeit und sorgte immer für schwarze Zahlen. Besonders am Herzen lagen ihm die Geburtstagsbesuche bei hochbetagten Kollegen.
Dieser Aufgabe kam Erich Hinderer noch mit 93 Jahren nach.
Sein Tod hat im Kreis der Ruhestandskollegen eine schmerzliche Lücke gerissen.
 
Die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Erich Hinderer vor allem als einen äußerst guten Chef in Erinnerung, der zwar viel forderte, ihre Arbeit aber auch sehr wertschätzte.
Ihm war es dabei immer sehr wichtig, gerecht zu seinen Mitarbeitern und zu den Bürgern zu sein.
Der Respekt ihm gegenüber war sehr groß und man fühlte sich nach dem Ausscheiden aus dem Rathaus persönlich noch sehr verbunden mit ihm.
Dies zeigte sich insbesondere bei den vielen gemeinsamen Treffen zwischen Erich Hinderer und seinen ehemaligen Mitarbeitern.
 
Für die vielen ehrenamtlich Tätigen in den Winterbacher Vereinen und bei der Feuerwehr war Erich Hinderer stets eine sehr geschätzte Person sowie Freund und Förderer.
Das Ehrenamt lag ihm sehr am Herzen und hatte bei ihm einen hohen Stellenwert.
Diese Wertschätzung hat er während seiner Zeit als Bürgermeister und auch danach bei seinen vielfältigen Begegnungen mit den Ehrenamtlichen immer stark hervorgehoben.
Die Freude war stets groß, wenn er die Veranstaltungen und Feste der Vereine und der Feuerwehr besuchte.
Leckeres Essen, gute Gespräche und insbesondere die Geselligkeit reichten schon aus, um Erich Hinderer eine schöne Zeit zu bescheren.
Diese Bodenständigkeit und Bescheidenheit kamen gut an und machten ihn beliebt.
Bei nicht wenigen Vereinen wurde er daher zum Ehrenmitglied ernannt.
 
Auch bei den Winterbacher Unternehmern wurde Erich Hinderer für seine wegweisenden Impulse zur Schaffung von Industrie- und Gewerbeflächen sehr geschätzt.
So verfügt Winterbach noch heute über eine sehr gute Wirtschaftsstruktur, die eine solide Basis für die hohe Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort darstellt.
 
Seinen Freunden und Nachbarn wird Erich Hinderer ebenfalls sehr fehlen.
Insbesondere seine Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit und sein hohes Pflichtbewusstsein zeichneten ihn als Freund und Nachbarn aus.
Diese Beziehungen waren ihm ebenfalls stets wichtig und so ist man alle paar Wochen zusammengesessen und hat über die unterschiedlichsten Themen Winterbachs und darüber hinaus gesprochen.
Beim jährlich stattfindenden Eichenwegsnachbarschaftsfest war er auch immer mit Freude dabei.
Seine Nachbarn und Freunde hörten ihm gerne zu, wenn er humorvoll über vergangene Zeiten und die Entwicklung unserer schwäbischen Gemeinde sprach.
 
So wird uns Erich Hinderer als eine herausragende Persönlichkeit in Erinnerung bleiben, die Großes für unsere Gemeinde, das Gemeinwesen und die Menschen hier geleistet hat.
„Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen“ sagte Albert Schweitzer.
Ein Denkmal des dankbaren Gedenkens an Erich Hinderer steht in den Herzen der Winterbacher, Engelberger und Manolzweilermer.
 
Wir verneigen uns in Dankbarkeit und Anerkennung der Leistungen des Verstorbenen für Winterbach und wünschen unserem Bürgermeister a.D. und Ehrenbürger Erich Hinderer ewigen Frieden.
In unserem Gedächtnis wird er weiterleben.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.