Gemeinde Winterbach

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Öffnungszeiten Rathaus

Erreichbarkeit des Winterbacher Rathauses ab Montag, 29.11.2021:

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation vereinbaren Sie nach Möglichkeit vorab für Ihren Rathausbesuch einen Termin.
Die telefonische Erreichbarkeit des Rathauses ist bis auf Weiteres zu folgenden Zeiten gegeben:
Montag, Dienstag, Donnerstag: 
8.30 - 12.00 Uhr und 14.00 - 15.30 Uhr
Mittwoch: 
8.30 - 12.00 Uhr und 15.00 - 18.00 Uhr
Freitag: 
8.30 - 12.00 Uhr
Um Einlass zu erhalten, klingeln Sie bitte am Rathauseingang unter Beachtung der entsprechenden Hinweise.
 
Maskengebot und 3G-Regelung im Rathaus:
Alle BesucherInnen haben in den Räumlichkeiten des Rathauses eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Der Zutritt ist nur unter dieser Voraussetzung gestattet. Von der Verpflichtung ausgenommen sind Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr.
BesucherInnen des Rathauses dürfen bis auf Weiteres nur unter Einhaltung der 3G-Regel das Rathaus betreten. Dieser Nachweis wird bei Empfang an der Rathaustüre kontrolliert. So bleiben die BesucherInnen und auch die MitarbeiterInnen bestmöglich geschützt. Gerne können Sie das Rathaus über die Zentrale (Tel. 07181 7006-0, E-Mail: Gemeinde(@)winterbach.de) kontaktieren. Weitere Infos und Kontaktdaten finden Sie auf www.winterbach.de

Termine für das Bürgerbüro können über die Homepage der Gemeinde unter www.winterbach.de gebucht werden:
 

Ansprache zum Volkstrauertag 14.11.2021

ANSPRACHE ZUM VOLKSTRAUERTAG 14.11.2021

Rede von Frau Heidemarie Vogel-Krüger

Friedhof Winterbach

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste dieser Gedenkfeier,

das Gedenken an die beiden großen Kriege des 20. Jahrhunderts und ihre zahllosen Opfer ist in Europa zur Tradition geworden. Mehr noch, zu einer humanitären Verpflichtung, der wir uns nicht entziehen dürfen. Zuletzt sind wir vor zwei Jahren hier auf dem Friedhof in Winterbach in dieser Form zusammengekommen, um an die Opfer von Krieg und Gewalt zu erinnern und gleichzeitig Versöhnung, Verständigung und Frieden anzumahnen.
Aufgrund der Corona-Pandemie war es im vergangenen Jahr nicht möglich, diese Veranstaltung in der heutigen Form durchzuführen. Lediglich Herr Bürgermeister Müller und ich sind hier anwesend gewesen, um wenigstens die Kränze für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft niederzulegen.
Umso mehr bin ich froh darüber, dass in diesem Jahr trotz aller Widrigkeiten aufgrund der Corona-Pandemie unsere Gedenkstunde stattfinden kann.

Sie steht in diesem Jahr im Zeichen der Erinnerung an den besonders grausamen und verlustreichen Angriffs- und Vernichtungskrieg in Ost- und Südosteuropa, der vor 80 Jahren mit der Besetzung von Jugoslawien und Griechenland sowie dem Überfall auf die Sowjetunion begann. Bereits im April 1941 hatten Hitler und Mussolini den Vielvölkerstaat Jugoslawien zerschlagen. Sie errichteten ein brutales Besatzungsregime. Als Gegenreaktion rief Josip Tito im Juli 1941 den multinationalen Volksbefreiungskampf aus. Wiederum als Reaktion darauf befahl die Wehrmacht „zur Verhinderung der Bildung von Banden“ und als „vorbeugenden Schutz für die Truppe“ Geiseln aus allen Schichten der Bevölkerung zu erschießen.

Den „Strafaktionen“ der Wehrmacht fielen innerhalb von drei Monaten allein in Serbien bis zu 30.000 Zivilisten -Männer, Frauen und Kinder- zum Opfer. Die Bekämpfung des Widerstandes war von Beginn an mit dem Völkermord an den Juden verknüpft.
Die jugoslawischen Juden wurden erfasst, interniert und ermordet. Etwa 60.000 jugoslawische Juden fielen dem Völkermord zum Opfer. Die Gewalt nahm kein Ende. Zitat aus einem Feldpostbrief im Winter 1942/1943: „Unser Vergnügen am Heiligen Abend bestand aus Abschießen von Banditen. Haben das allerdings in unserer Wut auch gründlich besorgt.“
Am Ende des Krieges war Jugoslawien verwüstet und ausgeblutet. 1,0 Mio. Menschen waren gestorben: Etwa so viele Opfer wie in England, Frankreich und Italien zusammen.


Noch einmal so viele Einwohner verlor Jugoslawien durch Geburtenausfälle, Emigration, Verschleppung, Umsiedlung und Vertreibung. In Jugoslawien lebte eine volksdeutsche Minderheit. Die Kommunisten rächten sich an den Jugoslawiendeutschen. Bis zu 50.000 von ihnen kamen vor und nach Kriegsende durch Kämpfe und Hinrichtungen ums Leben oder starben zu großem Teil
in Folge von Zwangsarbeit und Internierung an Erschöpfung und Krankheiten. Zehntausende wurden zur Aussiedlung gedrängt und vertrieben.
Im Jahr 1961 lebten von einer einst halben Million Jugoslawiendeutschen nur noch 20.000 im Land.


Der Beginn der Versöhnung zwischen unseren Ländern ließ lange auf sich warten. Erst im Rahmen der Neuen Ostpolitik wurden die diplomatischen Beziehungen „im Interesse der deutschen Europa- und Entspannungspolitik“ wieder aufgenommen. Der Bundesrepublik Deutschland wurde von Jugoslawien vorgehalten, dass sie aufgrund des von Deutschland ausgegangenen Vernichtungskrieges zwölf westeuropäische Länder und auch Israel mit Milliarden D-Mark abgefunden habe. Jugoslawien aber erhielt keine Abfindung.

1973 kam es zu einer Einigung zwischen unseren Ländern. Die Wiedergutmachung sollte in Form von Krediten über 1,0 Mrd. D-Mark erfolgen. Seither ist die Bundesrepublik ein wichtiger Außenhandels- und Investitionspartner. Annäherung gab es erst durch diplomatische Kompromisse und zwischenmenschliche Begegnungen.
Mehr als 2,0 Mio. Deutsche verbrachten jährlich ihre Ferien in Jugoslawien, zudem waren die Länder durch zuletzt mehr als 700.000 Gastarbeiter eng verbunden.
Der Vielvölkerstaat zerbrach 1991 gewaltsam. Die deutsche Außenpolitik sah sich frühzeitig in der Verantwortung, die Krise zu schlichten. Aus historischen, humanitären, sozial-ökonomischen und sicherheitspolitischen Gründen ist Deutschland bis heute eine treibende Kraft bei der Gestaltung der europäischen Westbalkanpolitik geblieben.

Es war ein weiter Weg von der Vernichtung zur Versöhnung. Von den rund 80.000 deutschen Kriegstoten sind auf dem Westbalkan mehr als die Hälfe noch nicht geborgen. Aufgrund eines Zeitzeugen-Hinweises wurden erst in diesem Jahr im Kosovo zwei deutsche Kriegstote des zweiten Weltkrieges gefunden und umgebettet.
Demnächst soll ein Kriegsgräber-Abkommen die systematische Suche erleichtern. Es gibt in Europa zahllose Stätten, die an die Grausamkeit und Zerstörungen der Kriege erinnern. Aber viele dieser Erinnerungsorte sind längst aus unseren Blicken geraten. Sie sind überwuchert von Gras, Büschen und Bäumen.
Babyn Jar ist ein solcher Ort. Babyn Jar liegt auf dem Gebiet der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Babyn Jar ist ein tief eingeschnittenes Tal. Am 29. und 30. September dieses Jahres wurde dem Völkermord vor 80 Jahren, verursacht durch SS-Einheiten, gedacht. Die Hälfte der Opfer des Holocaust in Osteuropa starben nicht in Lagern, sondern direkt am Wohnort. So in Babyn Jar.

33.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder starben innerhalb von zwei Tagen. Von deutschen Einsatzgruppen unter Beteiligung der Wehrmacht in einer Schlucht bei Kiew  akribisch gezählt – und in Berichten festgehalten. Ein Holocaust durch Kugeln, getarnt als Umsiedlung, ein monströs-effizient geplantes Verbrechen. Der frühere Bundespräsident Gauck erinnerte zum 75. Jahrestag dieses
Völkermordes, also vor fünf Jahren, daran, dass die deutsche Verantwortung für die Gräueltaten der Nazis eine Verpflichtung zum Einsatz für Menschenrechte und europäische Werte darstellt.

Unser Gedenken an den Krieg und seine Opfer muss deshalb stets verbunden sein mit dem Kampf um die Demokratie. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, wie schnell es gehen kann, die Demokratie für obsolet zu erklären und am Ende ganz abzuschaffen. Das dürfen wir nicht zulassen, dagegen müssen wir uns mit allen Mitteln wehren, wenn wir unsere Freiheit bewahren wollen.
Europaweit erleben wir aber jetzt, wie die Sprache der Verachtung und des Hasses und der Abgrenzung gegenüber dem Anderen keineswegs verstummt ist -trotz aller schlimmer Erfahrungen mit dem Krieg. Es ist besorgniserregend, dass wir aus den Katastrophen der Vergangenheit so wenig gelernt haben.

Es gibt keinerlei Gründe, Kriege zu verherrlichen. Unser heutiges Gedenken schärft unseren Blick und unsere Sinne, es ist ein Warnruf, ein immer neuer Anstoß, uns der Vergangenheit zu stellen und sie lebendig zu halten. Das sind wir den Opfern schuldig, aber auch uns selber und unseren Nachkommen, die im wachen Wissen um die Geschichte aufwachsen mögen.